Die 'Sankt Gallen' ist das größte und schnellste schweizerische Passagierschiff auf dem Bodensee.
Bereits beim Namen unterscheiden sich die Quellen: Die einen behaupten, dass das Schiff nach dem Kanton St. Gallen benannt wurde, die anderen, dass es nach der Kantonshauptstadt 'St. Gallen' getauft wurde.
Da es in der Nordostschweiz keinen vergleichbaren Massentourismus wie am deutschen Bodenseeufer gab, entschieden sich die damaligen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) aus ökonomischen Motiven gegen den Bau großer Dreideck-Motorschiffe und planten ein großes und schnelles Zweideck-Motorschiff. Die historischen Hintergründe für den anders gearteten Tourismus am schweizerischen Oberseeufer liegt in mehreren Motiven: Erstens war das schweizerische Ufer des Obersees bereits im 19. Jahrhundert deutlich fortschrittlicher und damit stärker industriell ausgerichtet, mit Fabriken bis an das Ufer. Zweitens gab und gibt es in der (vor allem Inner-) Schweiz zahlreiche weitere große und vor allem landschaftlich schöne Seen für den Tourismus. Drittens zog es die Schweizer und auch die ausländischen Touristen früher eher an ihre südlichen Seen, weil dort das Wetter im Sommer eine Sonnengarantie bot, während es am Bodensee im Sommer den meisten Niederschlag (wenn auch nur als kurze, heftige Sommergewitter) gab. Letztendlich kam jedoch ein erstaunlicher optischer Effekt hinzu, welchen man nur als Tourist direkt vor Ort selbst erkennt und in seiner Tragweite erfassen kann: Das schweizerische Oberseeufer ist eher flach und auch weit in den See hinausragend seicht, was die Anfahrt und die direkte Sicht auf das Land und die Häuser erschwert. Hinzu kommt der Sonnenstand, der am Nachmittag im Süden, also hinter den Häusern steht und die dem Wasser zugewandten Fassaden sowie insgesamt das ganze Land eher dunkel bis düster erscheinen lässt. Aus diesem Grund fahren die meisten schweizer Wassersportler auch gerne an das deutsche Nordufer, das mittags von der Sonne bestrahlt subjektiv 'schöner' aussieht. - Vorsicht: Diese touristisch negativen Beurteilungen gelten nicht für den landschaftlich anders gearteten Untersee mit Rhein bis Schaffhausen, der auch bei Schweizern (aus Zürich etc.) sehr beliebt war und ist.
Am 07.05.1967 wurde die neue 'St. Gallen' als größtes Schiff in Dienst gestellt. Das damals als elegant charakterisierte Zweideck-Motorschiff bestach durch seine eleganten Linien sowie Inneneinrichtung und beeindruckte mit seiner Tragkraft von 650 Personen und übernahm als damals größtes und mit 29 km/h auch erstaunlich schnelles Fahrgastschiff der Schweiz am Bodensee die Hauptlast des Oberseekursverkehrs. Sie befuhr damals wie heute vor allem auf den Längskursen die Fahrtstrecken von Rorschach über Romanshorn, Kreuzlingen zur Insel Mainau nach Meersburg oder sogar bis Unteruhldingen.
Die Fahrgasträume des Romanshorner Flaggschiffes wurden mehrfach auf ansprechende Weise neugestaltet. Da man aufgrund der geringeren Nachfrage (siehe oben) jedoch früher als in Deutschland mit finanziellen Sorgen zu kämpfen hatte, wurde das Schiff auch zum Werbeträger verwendet. Die Ausrichtung auf Sponsoren wie dem sogenannten 'Erdbeerschiff' und dem 'Landbier-Schiff' mit der als schrill empfundenen Dekoration der 'St. Gallen' erzeugte allerdings auch Unmut bei den Fahrgästen.
Nach der Jahrtausendwende wurde die finanzielle Schieflage der schweizerischen Schifffahrtsbetriebe am Bodensee immer kritischer, sodass die Konstanzer Stadtwerke als Dach der Bodensee-Schifffahrtsbetriebe (BSB) eine Übernahme der Aktienmehrheit der Romanshorner Bodenseeflotte anbot, die rein ökonomisch betrachtet als gemeinsamer internationaler Großbetrieb am Bodensee der mit der EU assoziierten Schweiz durchaus sinnvoll gewesen wäre, insbesondere weil man die nationalen Betriebe hätte separat und weitgehend unabhängig nach Landesrecht hätte weiterlaufen lassen. Bereits das Ansinnen einer 'ausländischen' Übernahme löste im Jahre 2005 jedoch angesichts des verletzten Nationalstolzes eine heftige patriotische Protestreaktion unter der Bevölkerung im Kanton Thurgau aus und führte zur Gründung einer neuen Gesellschaft mit frischem Kapital, die seit 2006 den schweizerischen Bodenseeschiffsverkehr selbständig betrieb - Schweizerische Bodensee-Schifffahrt AG (SBS - offizieller Name seit 2021).
Das Ausflugsfahrten-Programm vom Heimathafen Romanshorn (dort liegen fast alle Schiffe der SBS) wurde daraufhin sogar ausgedehnt. In mehreren, bis dahin für den Schiffsverkehr noch nicht erschlossenen Gemeinden entlang des Thurgauer Seeufers, entstanden neue Landungsstege. Dadurch bestand die Möglichkeit einer ausgedehnten Kreuzfahrt über den gesamten Obersee. Teilweise fuhr die 'St. Gallen' zusammen mit den drei anderen, in Romanshorn stationierten Motorschiffen auch im Winter auf dem Obersee zu Eventfahrten im Advent, Brunch- und Fonduefahrten etc.
Altersbedingt wurde das Motorschiff 'St. Gallen' im Winter 2019/20 in der Werft in Romanshorn überholt, generalsaniert, erhielt eine neue Motorenanlage, eine überarbeitete Wellenanlage und Ruderanlage, ein Bugstrahlruder zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit und eine neue Inneneinrichtung sowie Klimatechnik. Die Gesamtkosten wurden auf ca. 1 Mio. CHF taxiert.
In den letzten Jahren wurde das Flaggschiff 'St. Gallen' auch zunehmend für Charter- und Sonderfahrten für bis zu 182 Gäste angeboten.
Rückblickend aus der Mitte der 2020er Jahre muss man festhalten, dass sich an der schwierigen finanziellen Situation der schweizerischen Schiffsbetriebe am Bodensee nicht viel verbessert hat. Denn das Hauptproblem lag und liegt noch immer in der seit rund 30 Jahren ungebrochen anhaltenden Aufwertung des Schweizer Franken respektive dem katastrophalen Wertverfall des Euro. D.h. die schweizerischen Dienstleistungen am Bodensee (auch die Schifffahrt) sind im Verhältnis sehr teuer - zu teuer im Vergleich zu Deutschland und Österreich, um konkurrenzfähig zu sein. Aber politisch hat man sich weitgehende Unabhängigkeit dadurch erkauft und untersteht zumindest nicht der Vormundschaft eines Konstanzer Öko-Oberbürgermeisters als alleinentscheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden der BSB oder den Grünen im Konstanzer Stadtrat und somit dominierenden Mitgliedern des Aufsichtsrates oder den Grünen im Bundesland Baden-Württemberg als vorgesetzte (politische) Dienststelle, welche einen ohne jede Fachkenntnis in der Schifffahrt ständig schikanieren.
Die Länge über alles (Lüa) beträgt 51,20 Meter. Die Breite wird mit 10,50 Meter angegeben. Der maximale Tiefgang beträgt 1,48 Meter. Die Tonnage wird mit 248,8 Tonnen beziffert. Die Tragkraft beträgt 650 Personen (nach anderen Quellen bis zu 700 Personen).
Die 'Sankt Gallen' besitzt zwei Decks (Hauptdeck, Oberdeck / Sonnendeck).
Das Passagierschiff bietet heute 182 Sitzplätze in geschützten Salons innen an.
Die Maschinenleistung wurde zuerst von zwei je 330 PS Sechszylinder-Dieselmotoren der Schweizerischen Lokomotivenfabrik Winterthur (SLM) erzeugt, welche zwei Escher Wyss-Verstellpropellern antrieben. Dieser Antrieb wurde 1958 bereits erfolgreich eingeführt, weil mit den beweglichen (im Winkel verstellbaren) Propellerflügeln sich die Geschwindigkeit stufenlos regulieren lässt.
Seit 2020 erzeugen zwei moderne Dieselmotoren mit je 368 kW - zusammen 736 kW (1.001 PS) Leistung, die noch immer zwei Escher Wyss-Verstellpropeller antreiben und dadurch (je nach Wellengang) eine Geschwindigkeit von bis zu 28,11 km/h erlauben.
Hinweise: Nirgendwo sind die technischen Angaben so ungenau wie im Schiffsbereich. Einerseits wurde nie präzise gearbeitet und andererseits wurde und wird an den Schiffen ständig etwas verändert, repariert, umgebaut, angebaut, modernisiert, 'verschönert' etc. So finden sich auch davon abweichende Daten im Internet.
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Das Motorschiff 'St. Gallen' fährt hier langsam in den naturbelassenen Hafen von Kreuzlingen ein:

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Die 'St. Gallen' legt hier von der Meersburger Außenmole ab. :

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Beim Passagierschiff 'St. Gallen' wurden immer die klassisch eleganten Linien gelobt:

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Hier legt das Fahrgastschiff 'St. Gallen' rückwärts ab, sodass man die umlaufenden Galerien erkennen kann:

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Das Fahrgastschiff 'St. Gallen' befährt die Langstreckenkurse entlang des schweizerischen Ufers des Obersees:

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Das Heck des Motorschiffes 'St. Gallen' ist stufig gestaltet und das Sonnendeck achtern zusätzlich mit einem Sonnensegel überdacht:

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Mehr als die zwei Decks der 'St. Gallen' waren nicht erwünscht, weil sich der touristische Andrang am schweizer Oberseeufer in Grenzen hält:

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Weitere Informationen zum Passagierschiff 'Sankt Gallen' finden Sie in folgenden Links:
weiter zum Passagierschiff 'Oesterreich' - dem ersten großen Diesel-Schrauben-Passagierschiff am Bodensee.
WasserSportFotos - Dr. Schuhmacher