Das erste große Diesel-Schrauben-Passagierschiff am Bodensee - aus dem Jahr 1928.
Dieses bis 2009 im Kursverkehr in Vorarlberg verwendete Passagierschiff wurde 1927 von den Österreichischen Bundesbahnen bei der Werft der 1. Donaudampfschifffahrts-Gesellschaft in Kornneuburg als modernes schraubengetriebenes Salonschiff für mindestens 700 Personen bestellt. Seit 1925 gab es zwar erste kleine Schraubenfahrgastschiffe am Untersee. Aber ansonsten dominierten noch die Schaufelraddampfer. In zahlreichen Einzelteilen zerlegt wurde es per Eisenbahn nach Bregenz transportiert und dort in einem Trockendock zusammengebaut. Die 'Oesterreich' wurde am 29. Juli 1928 getauft und als äußerst luxuriöses Fahrgastschiff in Dienst gestellt. Es wurde extra im Art déco ('dekorative Kunst') ausgestattet, eine weltweite neue Kunst- und Design-Richtung der 1920er und 1930er Jahre, die sich u.a. durch geometrische Formen, klare Linien und sehr edle Materialien auszeichnete. Der Name stammte von der kurz zuvor Furore machenden Pariser Weltausstellung 'Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes' aus dem Jahr 1925 und stellte somit den 'letzten Schrei' aus Paris dar. Zudem zertifizierte der Germanische Lloyd die 'Oesterreich' als unsinkbar - ein wichtiges Prädikat, weil sich damals jeder noch an die erst 16 Jahre vorher untergegangene 'Titanic' (1912) erinnern konnte.
Jeweils im Winter 1931/2 und 1932/3 brachte man zur Verringerung der Rollneigung (also zur Stabilisierung) Schlingerkiele an. Ferner verbreiterte man die Galerien.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die 'Oesterreich' noch zum Torpedo-Versuchsschiff umgebaut, wobei die Inneneinrichtung entfernt und das Schiff mit einen Torpedo-Rohrsatz sowie Flugabwehrgeschützen ausgerüstet wurde. Im April 1945 fuhr man es nach Bregenz und dann als Rettungsaktion in die Schweiz. Von den französischen Besatzungstruppen dennoch beschlagnahmt wurde es erneut in Immenstaad als Torpedofangschiff verwendet und dabei schwer beschädigt. 1946 war es bereits fahruntüchtig und wurde 1948 als Wrack von den französischen Besatzungstruppen an Österreich zurückgegeben. Die ÖBB bauten das Passagierschiff von 1950/1 bis 53 in drei Jahren wieder (fast komplett) neu auf und führten am 25.07.1953 seine zweite Jungfernfahrt durch worauf es zwei Jahrzehnte im regulären Kursverkehr verwendet wurde. In den 1970er Jahren setzte man die 'Oesterreich' zunehmend nur noch im Ausflugsverkehr ein. Trotz geringer Nachfrage modernisierte man im Winter 2006/7 die Motoren- und Antriebsanlage. Dennoch wurde das Passagierschiff bereits im Herbst 2009 in Fussach stillgelegt, da eine Untersuchung sehr hohen und damit unwirtschaftlichen Finanzbedarf für eine Sanierung attestierte.
Seit 2015 kümmerte sich der Freundeskreis 'MS Österreich' um das ausrangierte Motorschiff, restaurierte es und stellte es vom neuen Heimathafen Hard (Vorarlberg / Österreich) aus seit dem 18.04.2019 wieder in Dienst, wo es von der Hohentwiel-Schifffahrtsgesellschaft betrieben und ganzjährig für Rund-, Sonder- und Charterfahrten eingesetzt, wo sie als Museumsschiff und ältestes Dieselgetriebenes Fahrgastschiff weiterhin fährt. Angeblich wurde sie auf den Zustand von 1928 zurückgebaut, wobei man da (wie bei allen Restaurierungen) immer vorsichtig sein muss, weil das keineswegs alles so stimmt, da schlichtweg viele Unterlagen verloren gingen und heute in allen Bereichen (von der Technik bis zum Umweltschutz) andere Vorschriften bestehen, welche erfüllt werden müssen. Hinzu kommt, dass sowieso nur der Rumpf, die Antriebswellen und deren Lager Originale aus dem Jahr 1928 sind. Wer sich für die Details interessiert, kann zahllose weitere Unterschiede der heuten Schiffsform und Farbe anhand des Fotos von der Jungfernfahrt 1928 (mit Strg-Taste und + vergrößern) erkennen. So fanden sich zwei riesige Lufteinlässe auf dem Oberdeck, die zwei Treppen zum Oberdeck waren seitlich in die Galerie integriert, weshalb es auch keinen Aufgang Achtern gab. Dort war das Sonnendeck mit Sonnensegel, etc.
Die Restaurierung soll extrem hohe Kosten von über 9,5 Millionen Euro verursacht haben. Auch die laufenden weiteren Betriebskosten des Motorschiffes sind derart hoch, dass sie teilweise durch Patenschaften von Unternehmen und Privatpersonen mitgetragen werden. Wie sagen manche Wassersportler am Bodensee ketzerisch: Der schösnte und angenehmste Weg in die Armut führt über Frauen, der ungesündeste sowie traurigste über Alkohol und der sicherste sowie schnellste mit alten Schiffen.
Auch wenn das Passagierschiff in vielen Quellen zu Unrecht mit einem 'Ö' geschrieben wird, so war sein offizieller Name vor dem Zweiten Weltkrieg und auch heute wieder 'Oesterreich'.
Die Länge über alles (Lüa) beträgt 54,40 Meter. Die Breite betrug zuerst 7,40 m und wurde 1933 auf 9,80 Metern erhöht. Der maximale Tiefgang schwankte oft: Zuerst betrug er 1,61 Meter, von 1953 bis 2015 1,72 Meter und 1,60 Meter seit 2019.
Als Tonnage findet man 241,0 Tonnen für den Erstbau 1928 und 295,0 Tonnen für die Zeit von 1953 bis 2015 sowie schließlich 290,0 Tonnen nach der Restaurierung seit 2019.
Die Tragkraft betrug früher 700 Personen und seit 2019 600 Fahrgäste. Heute finden sich an Bord 282 Sitzplätze, wovon 140 im Unterdeck liegen.
Da man viel geschlossenen und überdachten Raum im Rumpf für die Fahrgäste wünschte, baute man kleine, moderne Dieselmotoren ein.
Auch beim Antrieb finden sich viele widersprüchliche Angaben: Zuerst waren 1928 angeblich zwei umsteuerbare U-Boot-Dieselmotoren mit 143 dm³/Liter Hubraum, welche eine Leistung von jeweils 270 PS (199 kW) bei 300/min lieferten. Laut anderen Quellen betrug die Maschinenleistung jedoch zuerst 2 * 300 PS und seit 1961 bis 2015 2 * 380 PS (zwei Dieselmotoren aus Lokomotiven), was eine maximale Geschwindigkeit von zuerst angeblich 25,85 km/h und seit 1976 29 km/h erlaubte.
2026 handelte es sich um 2 Scania-V8-Dieselmotoren (Typ DI16 080) mit insgesamt 770 kW (1.047 PS), welche über zwei Zeise-Propeller (je nach Wellengang) eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 29 km/h ermöglichen.
Hinweise: Nirgendwo sind die technischen Angaben so ungenau wie im Schiffsbereich. Einerseits wurde nie präzise gearbeitet und andererseits wurde und wird an den Schiffen ständig etwas verändert, repariert, umgebaut, angebaut, modernisiert, 'verschönert' etc. So finden sich auch davon abweichende Daten im Internet.
Für Personen, welche keine Text-Informationen wünschen, sondern nur die großen Fotos der Passagierschiffe fortlaufend zum Weiterklicken anschauen wollen, geht es hier direkt zur Bildergalerie mit allen Passagierschiff-Fotos.
Das historische Motorschiff 'Oesterreich' fällt sofort mit seinen vielen großen rechteckigen Fenstern im Rumpf / Unterdeck auf:

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Die 'schlanke Linie' der 'Oesterreich' erklärt auch deren (im Vergleich zu den breiten Raddampfern) gefürchtete Neigung zum Rollen / Schlingern. Deshalb wurden zur Stabilisierung sogenannte Schlingerkiele (beidseitige Längsleisten entlang eines Großteiles des Rumpfes) angebracht:

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Die Hecks waren damals durchaus noch öfter als Spitzgatt (Kanuheck) konstruiert. Das Mitteldeck mit der rundum laufenden Galerie und das Promenadendeck ganz oben war zwar auch früher schon üblich. Aber die (schmale) Hecktreppe gab es z.B. 1928 nicht:

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Weder das Sonnensegel auf dem Oberdeck noch die heute braunen Rettungsboote waren 1928 so vorhanden. In den 1920er Jahren betete man die Sonne an, und früher waren die Rettungsboote (wie fast alles bei der 'Weißen' Flotte) selbstverständlich weiß bemalt:

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Weitere Informationen zum Passagierschiff 'Oesterreich' finden Sie in folgenden Links:
weiter zu den Passagierschiffen im Gegenlicht, Glitzern auf dem Wasser.
WasserSportFotos - Dr. Schuhmacher