Die 'Thurgau' (URh) ist das erste moderne Einsalonschiff am Untersee und Rhein.
Bitte verwechseln Sie dies nicht mit dem Passagierschiff 'Thurgau' auf dem Obersee
Zur Geschichte der Gesellschaft URh siehe 'Schaffhausen'.
Anfang der 1960er Jahre wollte man ein neues, modernes und größeres Schiff anschaffen. Auf der Generalversammlung der Aktiengesellschaft Untersee und Rhein im Jahr 1962 erhielt der Verwaltungsrat den offiziellen Auftrag, sich aufgrund des wachsenden Tourismus mit der Erweiterung der als zu klein empfundenen eigenen Flotte zu befassen. Bald stieß man auf den 'Lugano-Typ' - ein flaches Salonschiff vom Luganer See, wo ebenfalls niedrige Brücken zu unterfahren sind. Man plante das damals größte Schiff am Untersee und dachte an eine Tragkraft von 550-600 Personen (statt der bisher maximal 400). Die leere Tonnage sollte damals enorme 165 Tonnen betragen. Gleichzeitig wollte man rationalisieren und die Besatzung von bisher 7 auf nur noch 4 Personen reduzieren.
Aufgrund der modernen Nachkriegsgesellschaft wünschte man erstmals eine Einheitsklasse
auf dem unteren Deck und plante deshalb einen einzigen Salon mit 140 Sitzplätzen. Aber das Oberdeck sollte dennoch weiterhin mit dem Windschutz sowie Sonnendach nur der ersten Klasse vorbehalten bleiben. - Letztendlich konnte man sich bei der URh erst 1983 (drei Jahren nachdem im gesamten sonstigen Bodenseegebiet und auf allen anderen Passagierschiffen bereits das sogenannte Einheitssystem galt) auf allen eigenen Schiffen zur echten Einheitsklasse durchringen. Allerdings erhöhte die Gesellschaft Untersee und Rhein dafür den Tarif um 4,5%.
Zudem Wünschte man sich allerneueste Technik, welche auch für dieses große Schiff erforderlich war. So wurde der erste Zweipropeller-Antrieb für ein Schiff der URh konzipiert. Auch eine hydraulische Absenkung des Steuerhauses und des Sonnenzeltes kamen hinzu, damit man die niedrigen Brücken durchfahren konnte.
Am 28. Mai 1963 wurde der Auftrag an die Bodan-Werft in Kressbronn vergeben und zum Jahresende 1963 der Bauvertrag über 1,4 Mio. Franken offiziell unterzeichnet, weil sie das preiswerteste Angebot abgegeben hatte. Evtl. lag dies auch daran, dass jene Bodan-Werft in den Jahren zuvor bereits vier Schiffe für den Luganer See gebaut hatte und somit einige Erfahrung in der Konzeption und Abwandlung solcher Schiffe für den Bodensee besaß. Die Finanzierung dieser für die kleine Gesellschaft hohen Summe war schwierig und wurde mittels Zuschüssen der Kantone Thurgau und St. Gallen sowie interessierten Ufergemeinden und der Stadt Konstanz durch Kapitaleinlagen in die AG sowie einem Darlehen von 400.000 Franken der Schweizer Bundesregierung gesichert. Dennoch zeichneten aus Begeisterung über die Erweiterungspläne unerwartet viele Privatpersonen ebenfalls Anteile an der Gesellschaft, sodass sich die Aktionäre auf ca. 1.500 erhöhten.
Bereits im Frühling 1964 legte der Verwaltungsrat der URh den Namen des Schiffes auf 'Thurgau' fest, weil man andere Namen abgelehnt hatte, weil man keine Gemeinde bevorzugen wollte, obwohl man sich darüber klar war, dass es bereits ein Schiff mit exakt diesem Namen auf dem Obersee gab.
Am 17. Februar 1965 fand in Kressbronn bei bitterer Kälte der langsame Stapellauf statt, weil alles eingefroren war. Beim Ausbau erhielt sie die frühere Schiffsglocke der alten 'Hohenklingen'. - Am 05.05.1965 wurde das Motorschiff 'Thurgau' hingegen bei stürmischem Wetter offiziell als erstes modernes Einsalonschiff in Dienst gestellt. Damals bot der neue Salon (in einer 'chinesischen Bestuhlung' - e'weng z'eng) 124 Sitzplätze.
Im Winter 2010/11 erhielt das Passagierschiff 'Thurgau' in der Bodan-Werft in Kressbronn bei einer Generalrevision auch eine neue Motorenanlage. Zudem wurden die Holzdecks, Elektrik und Toilettenanlage sowie Lüftung und Heizung modernisiert. Ferner wurde ein behindertengerechter Treppenlift eingebaut. Ein Schiffsinnenarchitekt gestaltete den Salon um, sodass eine angenehmere und aufgelockerte Bestuhlung entstand und der Raum heller (mit grünen Stühlen in der Farbe des Thurgauer Wappens) sowie freundlicher wirkte. Schließlich wurden auf den Tischplatten des Oberdecks erstmals eine Streckenkarte angebracht, sodass jeder Fahrgast sehen konnte, wo er sich gerade befand. Insgesamt soll dieser Umbau 2,45 Mio. Franken gekostet haben.
Im Jahr 2015 feierte man stolz das Jubiläum '50 Jahre MS Thurgau': Zwischen 1965 und Ende 2014 soll sie 777.531 Kilometer Fahrstrecke zurückgelegt haben und im Jahr 2014 bei 191 Einsatztagen erstaunliche 17.345 km gefahren sein, wodurch sie das am häufigsten eingesetzte Fahrgastschiff der Gesellschaft URh war.
Die Länge über alles (Lüa) beträgt 47,10 Meter. Die Breite wird mit 9,30 Meter angegeben. Der Tiefgang im leeren Zustand wird mit 1,10 Metern angegeben. Der maximale Tiefgang ist unklar. Die Verdrängung / Tonnage (leer) wird mit 165 Tonnen (vom Betreiber) und 175 Tonnen von anderen Quellen beziffert. Die Tragkraft betrug 1965 600 und beträgt heute (laut Betreiber) 500 Personen (laut anderen Quellen 600).
Die 'Thurgau' besitzt zwei Decks (Hauptdeck, Oberdeck / Sonnendeck) für die Fahrgäste.
Das Passagierschiff bietet heute 110 Sitzplätze im geschützten Salon innen an. Hinzu kommen 100 überdachte Außenplätze sowie 184 nicht überdachte Außenplätze, sodass die 'Thurgau' insgesamt 394 Sitzplätze innen und im Freien offeriert.
Damit man bei hohen Wasserständen eine Durchfahrt unter den Rheinbrücken bei Konstanz, Stein am Rhein und Diessenhofen–Gailingen gewährleisten kann, lassen sich bei der 'Thurgau' (wie bei fast allen URh-Schiffen) das Dach der Führerkabine und das Sonnendach absenken.
Die Maschinenleistung wurde zuerst (1965) von schnell laufenden Mercedes-Dieselmotoren des Typs MB 846 Ab mit je 300 PS für 140.000 Franken erbracht.
Im Winter 1977/78 wurde die Motorenanlage durch 2 MWM-Dieselmotoren (Motoren-Werke Mannheim - heute Caterpillar) vom Typ TBD 601-K ersetzt.
Beim Umbau 2010/11 erhielt die 'Thurgau' zwei neue Viertakt-Dieselmotoren mit einer Leistung von je 360 kW (je 489 PS, also zusammen 720 kW - 979 PS - laut anderen Quellen je 490 PS und zusammen 980 PS), welche (je nach Wellengang) eine Geschwindigkeit von bis zu 26 km/h erlauben.
Hinweise: Nirgendwo sind die technischen Angaben so ungenau wie im Schiffsbereich. Einerseits wurde nie präzise gearbeitet und andererseits wurde und wird an den Schiffen ständig etwas verändert, repariert, umgebaut, angebaut, modernisiert, 'verschönert' etc. So finden sich auch davon abweichende Daten im Internet.
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Das Motorschiff 'Thurgau' besitzt wie fast alle neuen Schiffe der Gesellschaft Untersee und Rhein dieses betont lange Vorschiff mit Sitzbänken für die Fahrgäste im Freien. Früher war die das Freideck für die 2. Klasse, welche nicht auf das Oberdeck durfte:

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Nachts liegen die Schiffe meistens im Heimathafen in Schaffhausen oder Kreuzlingen, wie hier bei frühem Morgenlicht:

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Das Motorschiff 'Thurgau' liegt hier am Anleger in Schaffhausen und zeigt ihr Achterdeck. Die Thurgau besitzt als einziges großes Fahrgastschiff der URh-Flotte ein Achterdeck - mit Sitzbänken für die Fahrgäste:

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Am Flaggenstock am Bug des Passagierschiffes weht die Firmenflagge der Gesellschaft Untersee und Rhein (URh):

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Das Motorschiff 'Thurgau' erhielt die alte Schiffsglocke des Dampfschiffes 'Hohenklingen':

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Auch die Thurgau ziert am Bug das Wappen der Stadt Thurgau - zwei goldene, schreitende Löwen auf einem schräg geteilten, silbernen und grünen Grund. Bei der Neugestaltung des Salons wurde diese Farbe Grün bei den Stühlen wieder aufgenommen:

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Weitere Informationen zum Passagierschiff 'Thurgau' finden Sie in folgenden Links:
weiter zum Passagierschiff 'Oesterreich' - dem ersten großen Diesel-Schrauben-Passagierschiff am Bodensee.
WasserSportFotos - Dr. Schuhmacher