Die 'Thurgau' war 1932 das erste Motorschiff der Schweizerischen Bundesbahnen am Bodensee.
Nachdem bereits im Jahr 1925 auf der Bodan-Werft in Kressbronn das erste Diesel-Motorschiff für den Bodensee gebaut wurde und die österreichischen sowie deutschen Schiffsflotten am Bodensee zügig darauf umgestellt wurden, planten auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) eine derartige Modernisierung ihrer Schiffsflotte, welche damals aus u.a. fünf Salon-Dampfschiffen bestand. Nach ersten Umbauten und Modernisierungen noch nutzbarer Dampfschiffe beschloss man im Jahre 1930 für 1932 und 1933 den Neubau von zwei komplett neuen Motorschiffen, um sich den seit dem Ende des Ersten Weltkrieges veränderten Ansprüchen an eine neue Reisekultur anzupassen.
Die ersten Pläne mussten geändert werden, da man für einen ganzjährigen Verkehr auf dem sturmgefährdeten Obersee seegängigere Schiffstypen als für den reinen Sommerbetrieb in Deutschland und Österreich benötigte. Es folgten eingehenden Planstudien auf der Bodan-Werft in Kressbronn, welche zu einem neuen Typ von Zweideck-Motorschiffen führte. Die Bodan-Werft in Kressbronn baute daraufhin im Winter 1931/32 das erste schweizerische Zweideckmotorschiff. Der Stapellauf der 'Thurgau' erfolgte im April 1932 in Kressbronn. Nach Testfahrten konnte es am 10.05.1932 getauft werden, die Jungfernfahrt absolvieren und nahm am 15.05.1932 seinen Dienst auf. - Das nach dem schweizerischen Nord-Ost-Kanton benannte Fahrgastschiff 'Thurgau' war auch in der ganzen Schweiz das erste größere dieselbetriebene Motorschiff. 1933 folgte planmäßig das Schwesterschiff 'Zürich'.
Die 'Thurgau' beeindruckte durch ihre 'maritim' wirkenden Proportionen, war jedoch aus exakt jenen Sicherheitsmotiven nur für damals 450 Fahrgäste zugelassen.
Das Hauptdeck (unten) war in zwei Teile untergliedert: vorne befand sich der Speisesaal 2. Klasse. Hinten / achtern war der Fahrgastraum. Das erstaunlich lange Vorschiffsdeck war damals noch zum Transport von Fracht- und Stückgütern vorgesehen.
Das Oberdeck war der I. Klasse vorbehalten, mit Aufenthaltsraum und einem kleinen Speisesaal.
Das Brückendeck beherbergte nur das geräumige Steuerhaus, mit dahinter Treppenabteil und Kamin, welche die 'Thurgau' leicht erkennbar machte.
An den beiden Seiten des Brückendecks waren je ein Rettungsboot (mit kippbaren Davits ausschwenkbar) angebracht.
Damals führte die 'Thurgau' zwei extrem hohe Großmasten für Flaggen auf dem Hauptdeck.
Erstaunlicher Weise wurde die 'Thurgau' zuerst für Sonderfahrten und nicht für den regulären Kursverkehr verwendet. Dann wurde sie jedoch zunehmend im sogenannten Querverkehr
(Nord-Süd-Verbindung) zwischen Romanshorn und Friedrichshafen als reguläres Kursschiff eingesetzt.
Ab 1938 nahmen auf den Fahrten nach Friedrichshafen und Lindau die Grenzkontrollen u.a. aufgrund der Devisenbeschränkungen zu, worauf die Reiselust abnahm. Dennoch unterlag auch am Anfang des Zweiten Weltkrieges der schweizerische Schiffsverkehr kaum Einschränkungen. Erst am 04.06.1940 musste der Schiffsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland eingestellt werden. Aufgrund des Dieselmangels wurde auch in der Schweiz auf Kohle umgestellt, und die verbleibenden Fahrten entlang des Schweizer Ufers mit Dampfschiffen durchgeführt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte die 'Thurgau' am 12.09.1946 als erstes schweizerisches Schiff wieder das damals jedoch weitgehend zerstörte Friedrichshafen anfahren. Als am 15.05.1949 endlich der Personenverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz von den französischen Besatzungstruppen wieder erlaubt wurde, setzte die 'Thurgau' ihren Kursverkehr in Nord-Süd-Richtung zum deutschen Ufer sowie die Sonderfahrten lange Zeit fort.
Im Winter 1958/9 wurde die 'Thurgau' umgebaut und modernisiert, erhielt einen ausfallenden Vordersteven, neue Brückenaufbauten / neues Brückendeck und ein modernes Vorschiff. Der alte Kamin und die Rettungsboote wurden entfernt und durch ein neues Steuerhaus mit Kaminattrappe ersetzt. Zudem wurde das Oberdeck hinten um zwei Meter vergrößert, die Motoren erneuert und die zulässige Personenzahl von 450 auf 500 Fahrgäste erhöht. - Nach diesem Komplettumbau war das Fahrgastschiff nicht mehr wiederzuerkennen.
Danach wurde der sogenannte Querverkehr
(Nord-Süd-Verbindung) zwischen Romanshorn und Friedrichshafen durch Fähren übernommen. Auch insgesamt ging der schweizerische Tourismus und mit ihm der Schiffsverkehr am Obersee seit ca. 1960 deutlich zurück. Die 'Thurgau' wurde deshalb zunehmend im Kursverkehr entlang des Schweizer Ufers eingesetzt.
Bekannt wurden seit den 1970er Jahren die zahlreichen Sonderfahrten - auch im Winter - wie die beliebten Fondue-Fahrten oder im Sommer die 'Barca Italiana' und die Spezialitäten-Fahrten im Herbst.
1991 gestaltete man die Fahrgasträume der 'Thurgau' in einem rustikalen Retro-Stil neu.
Aufgrund der 1996 erfolgten Umwandlung der ehemaligen SBB-Flotte in die private 'Schweizerische Bodensee-Schifffahrts-Gesellschaft' baute man das Ausflugsfahrten-Programm weiter aus.
Nach der Jahrtausendwende fand man das Passagierschiff 'Thurgau' im Sommerhalbjahr eher im täglichen Langstrecken-Kursverkehr zwischen Rorschach / Romanshorn und der Insel Mainau, Unteruhldingen und Meersburg sowie auf zahlreichen Charter und Sonderfahrten.
Vom Januar bis Mai 2021 wurde die 'Thurgau' als Impfschiff während der Covid-Pandemie entlang der schweizerischen Oberseeuferstädte eingesetzt.
Bis heute zählt die inzwischen über 90-jährige 'Thurgau' mit ihrem Schwesterschiff 'Zürich' zu den klassischen Repräsentanten des beginnenden Dieselzeitalters auf dem schweizerischen Bodensee.
Die Länge über alles (Lüa) beträgt heute 49,00 Meter (sowie 47,00 m Lpp - Länge zwischen den Loten). Die Breite wird mit 7,98 Meter angegeben. Der maximale Tiefgang beträgt 1,42 (respektive nach anderen Quellen: 1,45) Meter. Die Tonnage wird mit früher 228 respektive heute 234,0 Tonnen beziffert. Die Tragkraft betrug bis 1958 450 und beträgt heute 500 Personen.
Die 'Thurgau' besitzt zwei Decks (Hauptdeck, Oberdeck / Sonnendeck) für die Fahrgäste. Denn das Brückendeck (ganz oben) ist nur für das Personal.
Das Passagierschiff bietet heute 180 oder 184 Sitzplätze in geschützten Salons innen an. Hier widerspricht sich sogar der heutigen Eigner SBS in zwei seiner eigenen Quellen.
Die Maschinenleistung wurde zuerst (1932) von zwei Sulzer Zweitakt-Dieselmotoren mit einer Leistung von je 240 PS (also zusammen 480 PS) erzeugt, welche vierflügelige Doppelschrauben der Firma Zeise antrieben, und (je nach Wellengang) eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25,4 km/h erlaubten.
Beim großen Umbau 1958/9 erhielt die 'Thurgau' zwei neue Viertakt-Dieselmotoren der Schweizerischen Lokomotivenfabrik Winterthur (SLM) mit je einer Leistung von 300 PS (also zusammen 600 PS), welche (je nach Wellengang) eine Geschwindigkeit von bis zu 25,96 km/h (nach anderen Quellen 26 km/h) erlauben.
Hinweise: Nirgendwo sind die technischen Angaben so ungenau wie im Schiffsbereich. Einerseits wurde nie präzise gearbeitet und andererseits wurde und wird an den Schiffen ständig etwas verändert, repariert, umgebaut, angebaut, modernisiert, 'verschönert' etc. So finden sich auch davon abweichende Daten im Internet.
Für Personen, welche keine Text-Informationen wünschen, sondern nur die großen Fotos der Passagierschiffe fortlaufend zum Weiterklicken anschauen wollen, geht es hier direkt zur Bildergalerie mit allen Passagierschiff-Fotos.
Das Motorschiff 'Thurgau' wurde fast immer auf dem Obersee eingesetzt. Hier trägt sie bereits die Auszeichnung '90 Jahre':

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Das Motorschiff 'Thurgau' befährt die Langstrecken zwischen Rorschach/Romanshorn und Konstanz respektive bis zur Mainau:

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Beim Passagierschiff 'Thurgau' wurde 1958 beim großen Umbau der Bug zum Klippersteven nach vorne gebogen. Dadurch wurde der ohnedies bereits lange Vordecksbereich nochmals betont:

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Die Galerie läuft nur auf dem Oberdeck / Sonnendeck rund um das Fahrgastschiff 'Thurgau'. Links oben erkennt man den Zeppelin NT, der oft üer dem Obersee fliegt (fliegt ist korrekt, da der 'NT' schwerer als Luft ist):

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Das Fahrgastschiff 'Thurgau' befährt die Langstreckenkurse entlang des schweizerischen Ufers des Obersees bis zur touristisch interessanten Insel Mainau. Man erkennt hier das 1958 verlängerte Oberdeck, das heute zusätzlich ein Sonnensegel bietet udn dadurch weiter betont wird:

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Das Motorschiff 'Thurgau' erhielt beim Umbau ein komplett neu gestaltetes Brückendeck (ganz oben) mit neuem Steuerhaus sowie direkt anschließender Kaminattrappe dahinter. Wie überall bei neueren / umgebauten Schiffen dient der kleine Kamin überwiegend der Entlüftung. Denn die Motorenabgase wurden nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein am Heck knapp über der Wasseroberfläche ausgestoßen:

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Mehr als die zwei Decks der 'Thurgau' waren nicht erwünscht, weil sich der touristische Andrang am schweizer Oberseeufer in Grenzen hält. Aber bei Sonderfahrten, Charterfahrten etc. befährt man - gut angefüllt - auch den Überlinger See:

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In der Konstanzer Bucht oder auch vor anderen Häfen finden an Wochenenden oft Regatten statt, sodass es dort durchaus eng werden kann. Von vorne erkennt man auch die schlanke Schnittform des Motorschiffes 'Thurgau'. Aufgrund der eher geringen Breite der 'Thurgau' finden sich auf dem Hauptdeck (unten) keine umlaufenden Galerien. Stattdessen wurde die gesamte Schiffsbreite für die Innensalons genutzt. Man hat sogar wie bei Dampfradschiffen den Eingangsbereich nach außen verbreiternd herausgesetzt:

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Die Außentreppen zwischen den Decks sind sehr schmal gebaut und nur für eine Person gedacht:

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Das Kursschiff 'Thurgau' fährt auch regelmäßig den Knotenpunkt Meersburg an:

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Äußerst stabil für Stürme gebaut ist der Obersee noch heute das ideale Revier für das Ausflugsschiff 'Thurgau'. Im Hintergrund erkennt man den Zeppelin NT:

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Das Kursschiff fährt am Nordufer entlang Richtung Unteruhldingen, während sich im Hinterland ein Gewitter aufbaut:

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Die Thurgau hier von der Steuerbordseite aus betrachtet. Die steilen Außentreppen sind im Grunde nur für die Mannschaft geeignet:

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Die Thurgau verlässt einen Hafen am schweizerischen Oberseeufer und steuert Richtung Friedrichshafen:

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Weitere Informationen zum Passagierschiff 'Thurgau' finden Sie in folgenden Links:
weiter zum Passagierschiff 'Oesterreich' - dem ersten großen Diesel-Schrauben-Passagierschiff am Bodensee.
WasserSportFotos - Dr. Schuhmacher