'Stein am Rhein' (Untersee und Rhein) - Passagierschiff, Motorschiff, Fahrgastschiff und Ausflugsschiff auf dem Untersee und Rhein

Die 'Stein am Rhein' ist das älteste Passagierschiff der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Geschichte

Untersee und Rhein - die Gesellschaft

Zur Geschichte der Gesellschaft URh siehe 'Schaffhausen'.

Das Motorschiff 'Stein am Rhein' auf dem Untersee und Rhein

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ sich die Gesellschaft Untersee und Rhein überwiegend auf die zwei alten Dampfschiffe und drei kleinere Motorboote, welche jedoch in die Jahre gekommen waren und auch sonst nicht mehr den steigenden Anforderungen der Fahrgäste gerecht werden konnten. Deshalb ging man Anfang der 1950er Jahre die Ersatzbeschaffung von zwei neuen Zweisalon-Schiffen an, welche sich jedoch hinzog: Erst auf der Generalversammlung 1954 stimmten die Aktionäre der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (damals SSUR abgekürzt) der Neuanschaffung zu. Jedoch musste man ein Jahr lang rechtliche Fragen zum Schiffsneubau abklären, bevor die Direktion dem Verwaltungsrat der Gesellschaft am 24.05.1955 den endgültigen Antrag für den Bau zweier neuen Schiffe stellte.

Nachdem die schweizerischen Behörden dem Bau im Ausland bei der hoch angesehen Bodan-Werft in Kressbronn zugestimmt hatten, und man steigende Stahlpreise erwartete, wurde der damalige Großauftrag über zwei Schiffsneubauten schnell vergeben. Aber danach stritt man sich wegen der Motoren: Zuerst waren Koks-Antriebe gewünscht. Dann schwenkte man auf Ölantrieb um. Eigentlich wollte man die für den Flussverkehr hochwertigeren und preiswerteren Typen der Motoren-Werke Mannheim (MWM - heute Caterpillar). Aber nach der Vergabe des Schiffsbaues an das Ausland wollte man zumindest den Motor aus der Schweiz beziehen und entschied sich für den 10% teureren Sulzer-Motor. Schließlich wurde am 18.10.1955 der Vertrag über die Lieferung von zwei Einschrauben-Dieselmotor-Fahrgastschiffen für je 300 Personen für den Bodensee und Rhein mit der Bodan-Werft unterzeichnet.

Das Schwesterschiff - das Passagierschiff 'Kreuzlingen' (1956 - 2001) - musste bis zum 01.05.1956 im Hafen der Bodan-Werft in Kressbronn betriebsfähig bereitgestellt werden, was somit nur rund fünf Monate Bauzeit im kalten Winter ermöglichte. Aber damals schafften deutsche Werften das noch. Am 18.07.1956 wurde die 'Kreuzlingen' im Hafen Kreuzlingen getauft und legte bis zum Saisonende noch über 8.000 km zurück.

Im Sommer 1956 baute die Bodan-Werft dann das Schwesterschiff 'Stein am Rhein', das am 26.10.1956 in der Bodan-Werft in Kressbronn vom Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement abgenommen wurde, welches damals für den Schiffs-TÜV zuständig war. Dazu wurden damals auch umfangreiche Krängungs-/Kenter-Versuche mit schweren Fässern durchgeführt. Aber erst am 06.04.1957 wurde das Fahrgast schiff offiziell im Ort Stein am Rhein getauft und in Dienst genommen. (Erstaunlicher Weise sind viele Schwarz-Weiß-Fotos mit der Taufe auf den '04.06.' datiert - Zahlendreher?) - Von 1957 bis 1965 war das Motorschiff 'Stein am Rhein' für 8 Jahre das sogenannte 'Flaggschiff' der Gesellschaft URh.

Die geplanten Baukosten wurden u.a. durch die teureren schweizerischen Motoren um 4,5% überschritten und betrugen für beide Schiffe zusammen angeblich 1.170.000 Franken, sodass man bei ähnlichen Schwesterschiffen auf ca. 585.000 SFr. für das Motorschiff 'Stein am Rhein' kommt. Diese hohen Kosten wurden allerdings bereits im ersten Einsatzjahr 1957 gerechtfertigt, weil dadurch die gesamte Flotte über 8.000 Personen befördern konnte. Alleine das Passagierschiff 'Stein am Rhein' legte im ersten Betriebsjahr 16.268 km zurück - eine für damals extrem hohe Fahrleistung auf diesem schwierigen Flussrevier.

Diese hohe Dauerbelastung hatte allerdings auch Verschleißfolgen: Im Winter 1959/60 musste das Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' zur Hauptrevision und zwei Jahre später erneut. Im Winter 1963 erneuerte man den Unterwasseranstrich für ca. 4.000 Franken in der Bodan-Werft in Kressbronn. Im Winter 1966/7 wurde das Schiff in der eigenen Werft - in die neuen eigenen Werfthalle in Langwiesen - untersucht. Aber die 'Stein am Rhein' hatte trotz der extremen Dauerbelastung (wohl auch aufgrund der regelmäßigen Pflege - kaum technische Pannen. Erst 1976 musste das Schiff zu einer umfangreichen Hauptrevision, wobei der Boden im Einstiegsdeck repariert wurde, die Kabinenfenster und Dächer wurden erneuert und die gesamte Ruderanlage modernisiert. Zudem wurden alle Aufbauten neu gestrichen.

Der elegante vordere Salon / Saal mit eigenem Buffet (heute Küche) war damals noch der ersten Klasse vorbehalten. Aufgrund der aufwändigen edlen Holzarbeiten ist der Salon auf jeden Fall einen Besuch wert.

Im Sommer 1987 entstand ein Kupplungsdefekt und beim Abschleppen nach Kressbronn in die Bodan-Werft dann noch ein erheblicher Folgeschaden am Oberdeck, welche während der Sommersaison repariert wurden mussten.

Seit dem Neubau der 'Arenenberg' (1983) reduzierte man den Einsatz der 'Stein am Rhein und setzte sie nach dem Neubau der 'Munot' (1998) nicht mehr im regulären täglichen Kursverkehr ein.

Während man aus finanziellen und technischen Gründen das Schwesterschiff ' Kreuzlingen' verkaufte, wurde das Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' im Winter 2000/1 in der SBS-Werft in Romanshorn generalüberholt: Der hintere Salon wurde verlängert und das Bordstromnetz von Gleichstrom 110 V auf Wechselstrom 220 V umgestellt. Das Steuerhausdach, die Kücheneinrichtung und die Inneneinrichtung wurden erneuert. Alles zusammen soll 600.000 Franken gekostet haben.

2003 wurde ein Sonnendach auf dem Oberdeck eingebaut.

Danach wurde Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' oft als Extraschiff auf Sonderfahrten eingesetzt. Ferner erledigte sie Ersatz-Fahrten, wenn eines der größeren Schiffe anderweitig verwendet wurden. Mit dem Ausbau des Fahrplans der URh fuhr die 'Stein am Rhein' auch wieder im kurzen Kursverkehr donnerstags in der Hochsaison als 'Feierabendschiff' von Schaffhausen nach Gaienhofen.

Im Winter 2024/5 wurde am Passagierschiff 'Stein am Rhein' in der URh-Werfthalle eine Schalenkontrolle durchgeführt, der Saalboden erneuert sowie eine allgemeine Revision und kleinere Reparaturen durchgeführt - und schließlich das ganze Schiff neu gestrichen. Deshalb darf man davon ausgehen, dass es noch ein paar Jahre im planmäßigen Einsatz bleiben soll.

Um bewusst den historischen Stil des Fahrgastschiffes (ohne extreme Umbauten) zu erhalten, verfügt die 'Stein am Rhein' weder über Behinderten-WC noch über Treppenlifte.

Technische Daten

Die Länge über alles (Lüa) beträgt 38,55 Meter. Die Breite wird mit 8,20 Meter angegeben. Der Tiefgang im leeren Zustand wird mit 1,10 Metern angegeben. Der maximale Tiefgang ist unklar. Die Verdrängung / Tonnage (leer) wird heute mit 101 Tonnen (vom Betreiber) beziffert. Die Tragkraft betrug 1956 350 Personen und beträgt heute (laut Betreiber) 300 Personen.

Die 'Stein am Rhein' besitzt zwei Decks (Hauptdeck mit Vor- und Achterdeck, Oberdeck / Sonnendeck) für die Fahrgäste.
Das Passagierschiff bietet heute 100 Sitzplätze im heute zusammengefassten geschützten Salon innen an. Hinzu kommen 78 überdachte Außenplätze sowie 56 nicht überdachte Außenplätze, sodass die 'Stein am Rhein' insgesamt 234 Sitzplätze innen und im Freien offeriert.

Damit man bei hohen Wasserständen eine Durchfahrt unter den Rheinbrücken bei Konstanz, Stein am Rhein und Diessenhofen-Gailingen gewährleisten kann, lassen sich bei der 'Stein am Rhein' (wie bei fast allen URh-Schiffen) das Dach der Führerkabine und das Sonnendach absenken. Aber hier geschieht dies manuell: d.h. man muss sie Fenster des Steuerhauses umklappen und das Dach von Hand absenken. (Siehe Foto unten.)

Die Maschinenleistung wird seit 1956 mit einem Sulzer-2-Takt-Dieselmotor des Typs 6TW24 mit 450 PS (331 kW), der eine starre Schraube (Festpropeller) antreibt, welcher eine Geschwindigkeit von (je nach Wellengang) bis zu bis 27 km/h ermöglicht.

Hinweise: Nirgendwo sind die technischen Angaben so ungenau wie im Schiffsbereich. Einerseits wurde nie präzise gearbeitet und andererseits wurde und wird an den Schiffen ständig etwas verändert, repariert, umgebaut, angebaut, modernisiert, 'verschönert' etc. So finden sich auch davon abweichende Daten im Internet.

Passagierschiff 'Stein am Rhein'

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Passagierschiff 'Stein am Rhein' bei scharfen Drehen

Das Motorschiff 'Stein am Rhein' kann trotz starrer Schraube durchaus eng drehen, was auf der Hochrheinstrecke auch erforderlich ist:

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Das Kursschiff 'Stein am Rhein' legt an

Hier legt das Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' im BSB-Hafen in Konstanz an:

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Das Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' bei der Reichenau

Das Motorschiff 'Stein am Rhein' fährt von Konstanz kommend durch den Seerhein nach Gottlieben. Im Hintergrund erkennt man die Allee auf dem Damm zur Insel Reichenau:

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Das Ausflugsschiff 'Stein am Rhein' legt ab

Das Passagierschiff 'Stein am Rhein' fährt aus dem BSB-Hafen in Konstanz hinaus Richtung Rheinbrücke und Untersee:

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Das Kursschiff 'Stein am Rhein' vor Diessenhofen

Das Motorschiff 'Stein am Rhein' fährt hier (im Hintergrund) am ehemaligen Kloster St. Katharinental flussaufwärts vorbei Richtung Diessenhofen / Stein am Rhein:

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Das Zweideck-Motorschiff 'Stein am Rhein' im Hafen

Das Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' besitzt noch einen 'klassischen' Decks-Aufbau mit dem in der Mitte wulstförmig herausragenden Einstiegsbereich:

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Das Motorschiff 'Stein am Rhein' auf den Hochrhein

Der Bug des Passagierschiffes 'Stein am Rhein' ist 'klassisch' geformt' will heißen, dass man viel wertvollen Raum verschwendete. Dafür ist der Erste-Klasse-Salon ideal angeordnet mit einer für die 1950er Jahre phantastischen Sicht auf das Wasser und die Umgebung. Der ausnahmsweise 'im Freien stehende' Kapitän (beim hinteren 'e' des Wasserzeichens) hat bereits alle Aufbauten herunterklappen lassen und die Fenster des Steuerstandes selbst umgeklappt sowie das Dach des Steuerhauses manuell nach hinten abgesenkt, weil eine Brückendurchfahrt ansteht (vermutlich bei Diessenhofen):

Passagierschiff-Fotos

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Fahrgastschiff 'Stein am Rhein' Richtung Konstanzer Rheinbrücke auf der Fahrt in den Seerhein / Untersee

Deutlich erkennt man hier das hinter dem zweiten Salon unten liegende kleine Achterdeck, auf dem sich 24 Außensitzplätze im Freien befinden. Nur wenige Fahrgastschiffe der Flotte URh besitzen ein derartiges Achterdeck. Früher war dieses Achterdeck (für die 2. Klasse) noch größer, bis man im Winter 2000/1 den hinteren Salon verlängerte:

Passagierschiff-Fotos

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Passagierschiff 'Stein am Rhein' beim Auslaufen aus dem Konstanzer BSB-Hafen

Hier fährt das Kursschiff 'Stein am Rhein' zum Zielhafen Kreuzlingen:

Passagierschiff-Fotos

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Bildergalerie zum Motorschiff 'Stein am Rhein'

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Externe Links

Weitere Informationen zum Passagierschiff 'Stein am Rhein' finden Sie in folgenden Links:

weiter zum Passagierschiff 'Oesterreich' - dem ersten großen Diesel-Schrauben-Passagierschiff am Bodensee.

WasserSportFotos - Dr. Schuhmacher

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